Gebetsstätten

Backsteinkirchen prägten bis 1945 die Städte im deutschen Osten. In Köslin war es über 600 Jahre die gotische Pfarrkirche Sankt Marien südwestlich des mit vier Morgen damals zweitgrößten deutschen Marktplatzes. Ihr Turm ist 57 Meter hoch. Erstmalig wurde sie 1331 urkundlich erwähnt; ihr Bau soll jedoch zwischen 1292 und 1310 begonnen worden sein. Seit 1945, als bis auf wenige Ausnahmen alle Gebäude am Markt und in den angrenzenden Straßen eingeäschert wurden, steht auch die Nordseite der jetzt als Kathedrale des katholischen Bischofs dienenden Marienkirche frei.

Das älteste Kösliner Gotteshaus ist die Schloßkirche, die 1278 als Klosterkirche des Zisterzienser-Ordens erbaut wurde. Lange vor Beginn der Reformation zu Anfang des 16. Jahrhunderts verfielen das Nonnenkloster und seine Kirche. Doch nach dem Bau des Fürstenschlosses 1602 hat man sie wieder hergerichtet. In den folgenden 400 Jahren hat Feuer die Schloßkirche am 10. November 1718 zerstört, entweihten französische Besatzungstruppen sie 1807, indem diese sie nach der Beseitigung der Kanzel, des Altars und der Emporen als Heu- und Strohmagazin benutzten, danach auch als Lazarett, aber immer wurde sie wieder aufgebaut, hergerichtet und neu geweiht. An der  Ostwand über dem Kanzelaltar mahnte das Bibelwort: "O' Land, Land, Land, höre des Herrn Wort". Nach 1945 diente sie den dort gebliebenen evangelischen Deutschen für einige Monate als stille Zuflucht. 1998 konnte die Schloßkirche durch finanzielle Hilfe der deutschen Bundesregierung erneut renoviert werden und dient jetzt der orthodoxen Gemeinde Köslins und Umgebung.

Laut Christian Wilhelm Haken (1723 - 1791) gab es eine dritte Stadtkirche, nämlich die ehemalige Dorfkirche zum heiligen Geist (St. Spiritus) von Cossalitz. Sie soll in der Zeit des Wechsels vom dreizehnten zum vierzehnten Jahrhundert gegründet worden sein. Sie wird in einer Urkunde aus dem Jahr 1319 als Kapelle in der Nähe des Klosters erwähnt. Bischöfe in Avignon haben ihr 1335 einen großen Ablaßbrief erteilt, was der Bischof von Cammin, Friedrich von Eichstädt, 1336 bestätigt hat. Nach der Reformation zerfiel sie und wurde am 27. Februar 1617 durch eine Feuersbrunst zerstört. Später erbaute man an dieser Stelle ein Armenhospital und nach dessen Verlegung das Königliche und Stadtgymnasium.

Auf dem 137 Meter hohen Gipfel des östlich der Stadt gelegenen Bergwaldes "Gollen" (Berg) entstand 1279 eine Kapelle. Ihr Turm soll einst jede Nacht beleuchtet gewesen sein, um dadurch den Seefahrern auf der Ostsee Navigationshilfe zu geben. Sie wurde während der Reformation 1533 ein Opfer der Flammen.
Im Jahre 1829 wurde an gleicher Stelle das Gollenkreuz errichtet. Dieses Denkmal, auf einen Entwurf Friedrich Schinkels zurückgehend, diente dem Gedenken der in den Befreiungskriegen 1813 bis 1815 gefallenen Söhne Pommerns. Es war ein 42,5 Fuß hohes, auf einem Feldsteinfundament ruhendes Kreuz. Um 1980 wurde es polnischerseits entfernt.
Anläßlich des Besuchs von Papst Johannes Paul II. errichtete die polnische katholische Kirche 1991 wieder eine Wallfahrtskapelle auf dem Gollen, in der Nonnen vom Schönstädter Institut der Marienschwestern wirken.

Direkt vor den Toren der Stadt gab es vier Kapellen.

In ihrer äußerlich ursprünglichen Gestalt ist die Gertrauden- oder St. Gertruds-Kapelle  an der Bublitzer Straße vor dem einstigen Hohen Tor erhalten geblieben. 1459 erstmals urkundlich erwähnt, erlitt sie mehrfach Zweckentfremdungen, wurde 1662, 1735 und danach mehrfach renoviert. Bis 1945 war sie die Kirche der evangelisch-altlutherischen Gemeinde Köslins. Später unter anderem als Abstellraum mißbraucht, wurde sie im Mai 2000 der evangelischen Gemeinde zurückgegeben.
Damit endete nach 55 Jahren ein Provisorium der Gottesdienste der durch die Vertreibung in Köslin und Umgebung zur Minderheit gewordenen evangelischen Deutschen.

Die St. Nikolai-Fachwerkkapelle vor dem Mühlentor wird bereits 1424 auf einem Pergament erwähnt. Im Juli 1733 wurde sie außen neu geputzt und ihr Turm repariert sowie mit einem Wetterhahn versehen, der jedoch bei dem schweren Sturm am 21. Januar 1737 wieder herunterfiel. 1822 wurde sie wegen Baufälligkeit und Entbehrlichkeit abgebrochen.

Über den Zeitpunkt der ebenfalls vor dem Mühlentor errichteten St. Jakobi-Kapelle ist keine Überlieferung bekannt. Sie wurde Anfang des 17. Jahrhunderts restauriert und 1735 wieder abgebrochen, wobei das Material für den Ausbau der Gertrauden-Kapelle verwendet worden ist.

In der St. Georgen-Kapelle vor dem Neuen Tor befand sich ab 1333 eine Vikarie, eine rechtsfähige Stiftung des privaten Rechts. Auch hielt man dort später an Sonntagen bis 1713 Betstunden ab. Zuletzt diente sie der Garnison als Bekleidungskammer, bis sie 1792 wegen Einsturzgefahr abgebrochen wurde.

In der Hohetorstraße gab es seit dem 3. Juli 1755 einen Betsaal für die Israeliten, der 1835 renoviert worden ist.

1885 wurde am Kleinen Wall als Kuppelbau im maurischen Stil eine Synagoge errichtet. Sie trug die hebräische Inschrift "Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang sei gepriesen der Name des Herrn" (Ps. 113,3) und enthielt eine Orgel. Während der Progromnacht im November 1938 wurde sie in Brand gesetzt.                                                                                                                                            

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