Geschichtliches

"Mein freundliches Köslin" - von 1266 bis 1945 eine deutsche Stadt

1188 wurde die Stadt erstmals urkundlich unter dem Namen Cossalitz erwähnt und 1266 von Bischof Hermann von Gleichen zur Stadt Cussalin umgewandelt, ausgestattet mit Lübischem Recht. Bis zum 15. Jahrhundert änderte sich der Name zu Cöszlin und ist seit dem Ende des 17. Jahrhunderts als Köslin aktenkundig.

1532 wurde die bis dahin katholische Stadt evangelisch, 24 Jahre später fürstbischöfliche Residenz. Sie war von 1574 bis 1622 Sitz der pommerschen Herzöge und wurde 1654 fünfte von insgesamt 14 hinterpommerschen Immediatstädten, d.h. unmittelbar dem Herrscherhaus unterstellt. Mit dem Aussterben des pommerschen Herzoggeschlechtes fiel Pommern und damit die Stadt Köslin im Zuge vertraglicher Erbfolge an das Kurfürstentum Brandenburg und wurde so 1701 Teil des Königsreiches Preußen.

Beachtlich ist das Wachstum der Bevölkerung. Zählte Köslin 1809 erst 3.585 Bewohner, so waren es 1859 schon 10.500. Von 22.925 im Jahr 1909 wuchs die Einwohnerzahl trotz des Ersten Weltkrieges bis 1919 auf 27.005 und in der Zeit der Weimarer Republik auf 30.400. 1939, bei der letzten Volkszählung zu deutscher Zeit, wurden 33.479 Einwohner ermittelt.

Im Februar 1945, kurz vor der Besetzung durch die Rote Armee, hielten sich wegen der Flüchtlingstrecks aus Ost- und Westpreußen ungefähr 65.000 Menschen in der Stadt auf. Vielen gelang die Flucht vor der anrückenden Sowjetarmee. Die danach noch verbliebenen Deutschen wurden von der polnischen Zwangsverwaltung bis auf einige wenige systematisch nach Westen vertrieben oder von den Sowjets nach Osten verschleppt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sollen im Juni/Juli 1945 nur noch etwa 12.000 Deutsche in Köslin gelebt haben.

 

Persönlichkeiten aus/für Köslin

 

 

 

 

Bechert, Franz

Heimatdichter. * 06.01.1846 in Köslin, + 09.05.1911 in Köslin.

Mein Köslin

Gleich einem Kleinod anmutreich in deiner Wälder Grün,

wie liegst du da, gebettet weich, mein freundliches Köslin.

Winkst jedem Wand‘rer gastlich zu von deines Gollen Rand,

du waldumrauschte Perle du in unserm Pommernland.

 

Im Waldversteck auf stiller Flur einst deine Wiege stand.

Du warst ein kleines Dörfchen nur, das Kossalitz genannt.

Und langsam wuchst du weiter fort in regem Schaffenssinn

zum kleinen wohlgeschäft‘gen Ort, zum Städtchen Kussalin.

 

Du hast erlebt so mancherlei in wüster Zeiten Lauf.

Du stiegst, ein Phönix, stets aufs Neu aus Schutt und Asche auf.

Dein Wächter wird der Gollen sein. Er schirmt dich treu und gut.

Und ferne wiegt zur Ruh dich ein der Ostsee blaue Flut.

Benno (Benike), Johann Ernst

Dichter, Schriftsteller, Beamter, * 12.06.1777 (11.12.1778) in Körlin, + 19. (26.) 04.1848 in Köslin.

Soldat in der preußischen Armee unter Blücher, 1813 und 1814 an den Befreiungskriegen teilgenommen, Regierungssekretär in Stettin und Berlin, Redakteur beim „Allgemeinen Pommerschen Volksblatt“ und der „Kösliner Zeitung“, Verfasser der (dritten)

„Geschichte der Stadt Coeslin von ihrer Gründung bis auf gegenwärtige Zeit. Nach Urkunden und zuverlässigen Quellen bearbeitet von Johann Ernst Benno, Königlichem expedirenden Regierungssecretair, Ritter des eisernen Kreuzes II. Classe, und des Kaiserlich Russischen St. Georgen-Ordens V. Classe. Mit einem lithogr. Plan der Stadt und ihrer nächsten Umgebung. Coeslin 1840. Druck und Verlag von C. G. Hendeß.“

Autor historischer Romane und Erzählungen: „Bogislaus der Zehnte. Herzog von Pommern“ (1822), „Das Wächterhorn von Cussalin“ (1824), „Erzählungen, Balladen und Lieder“ (1826/27), „König Burisleif und seine drei Töchter“ (1828), „Die stille Abtei“ (1829), „Die Eroberung von Garz“ (1830), „Die Stadt Stolpe“ (1831) sowie Novellen (1830 und 1831) und Gedichte (1845), alle auch erschienen bei C. G. Hendeß in Köslin.

Birr, Dieter "Maschine"

Sänger und Gitarrist der DDR-Rockband "Puhdys" seit 1969, * 18.03.1944 in Köslin. Während seiner Ausbildung zum Universalschleifer lernte er autodidaktisch Gitarre und studierte dann von 1966 bis 1972 Tanzmusik, Theorie und Gitarre an der Musikschule Berlin-Friedrichshain.

Braun, August Ernst

Patriot, Jurist und Politiker, *27.06.1783 in Köslin, +19.09.1859 in Köslin.

Er gilt als der bedeutendste aller Kösliner Bürgermeister.

Er verweigerte 1806 als Hofgerichtsreferendar in Köslin Napoleon öffentlich den Huldigungs-/Treueid und wurde entlassen; von 1807 bis 1813 Justizbeamter in Neustettin; von 1813 bis 1814 Freiwilliger im Freikorps Lützow während der Befreiungskriege, zuletzt als Offizier; danach Magistrats- und Polizeidirektor von Köslin und vom 18.05.1816 bis zum 31.03.1859 Bürgermeister von Köslin.

Als solcher tilgte er die aus dem Dreißigjähren Krieg stammenden Stadtschulden, kultivierte er die westliche Seite des Gollens, wirkte er 1821 an der Gründung des Königlichen Stadtgymnasiums mit, ließ er um 1825 das Seminar und ein neues Rathaus bauen, die Marienkirche reparieren, die Friedrich-Wilhelm-Stadt und Spazierwege anlegen, Straßen neu pflastern, die Straßenbeleuchtung mit 24 Laternen installieren, am 03.08.1829 den Grundstein für das Gollenkreuz legen, die Strand- und die Danziger Chaussee ausbauen, die Häuser numerieren, führte er eine rationelle Bewirtschaftung des Stadtforstes ein, eröffnete er die Stadtsparkasse, kaufte er die Stadtmühle zur Modernisierung zurück, erwarb er für die Stadt das Rogzower Wäldchen und Gallenstein, bereitete er den Bau der Gasanstalt vor, ersetzte er das Feuer-Reglement von 1807 durch die Feuerordnung vom 12.05.1832 und schloß er Köslin 1859 mit der Eröffnung der Strecke nach Stargard an das Eisenbahnnetz an.

Er gehörte seit 1826 dem Provinziallandtag der Provinz Pommern an sowie dem Allgemeinen Landtag in Berlin. Er saß ab 1848 mit Ernst Moritz Arndt in der ersten deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche, dabei schloß er sich der national-liberalen Casino-Fraktion (benannt nach ihrer Versammlungsgaststätte) an. Er beteiligte sich an der Festschreibung der preußischen Verfassung; ab 1853 war er Geheimer Regierungsrat, ab März 1859 Träger des Roten Adlerordens zweiter Klasse mit Eichenlaub.

Clausius, Rudolf Julius Emanuel

Physiker und Pionier, * 02.01.1822 in Köslin, + 24.08.1888 als Universitätsprofessor in Bonn.

Universitätsprofessor in Zürich, Würzburg und Bonn.  Als einer der bedeutendsten Physiker des Jahrhunderts führte er in sein Lehrgebiet mit Arbeiten über die bewegende Kraft („kinetische Energie“) der Wärme neue Begriffe ein, die noch heute grundlegend für das Problem der Verwandlung von Wärme in Kraft sind (zweiter Hauptsatz der Thermodynamik).

Dahlke, Paul

Bühnen- und Filmschauspieler, * 12.04.1904 in Streitz / Kreis Köslin, + 24.11.1984 in Salzburg.

Einer der bedeutendsten Charakterdarsteller deutscher Sprache. Besonderen Ruhm erlangte er durch seine Rollen in „Der zerbrochene Krug“, „Romanze in Moll“, „Felix Krull“, „Die Heiden von Kummerow“ und „MS Franziska“. Er spielte in 127 Filmen mit und hat über 170 Bühnenrollen verkörpert. 1966 erhielt er den Pommerschen Kulturpreis während des Bundestreffens der Kösliner in ihrer Patenstadt Minden anläßlich des 700jährigen Stadtjubiläums.

Fabricius, Jacob

Dichter und Hofprediger sowohl des Herzogs Bogislaw XIV. als auch Hof- und Feldprediger des Königs Gustav Adolf von Schweden, * 19.07.1593 in Köslin, +11.08.1654 als Generalsuperintendent von Hinterpommern in Stettin.

Er begleitete den König freundschaftlich verbunden auf dessen Feldzügen bis zur Überführung des Leichnams nach Wolgast. Von seinen Kirchenliedern ist das Feldlied „Verzage nicht, du Häuflein klein“ erhalten.

Franz I. von Pommern – Fürst und Herzog zu Stettin-Pommern,
der Kassuben und Wenden, Fürst von Rügen

* 24.03.1577 in Barth, + 27.11.1620 in Stettin.

Bischof zu Cammin, Herr zu Lauenburg und Bütow.

Er ließ das Kösliner Schloß zu seiner Residenz ausbauen, die zerstörte Klosterkirche als Schloßkirche wieder aufbauen und den Schloßgarten entsprechend gestalten.

Freder(us), Johannes

Theologe, Dichter niederdeutscher Kirchenlieder, * 29.08.1510 in Köslin, + 25.01.1562 in Wismar.

Weggefährte von Luther, Bugenhagen und Justus Jonas. Geistlicher in Hamburg und Professor in Greifswald, Prediger und Dirigent des geistlichen Ministeriums in Wismar.

von Gerlach-Parsow, August Friedrich Bernhard

* 28.08.1837 auf Gut Parsow, + 27.09.1906 ebenda.

Gutsbesitzer, königlich-preußischer Landrat, Politiker; von 1872 bis 1891 Landrat des neugebildeten Kreises Köslin. Ehrenbürger der Stadt Köslin. Er gründete 1873 die Kösliner Aktien-Bierbrauerei; ließ Chausseen in der Region bauen.

Graf von Gleichen, Hermann

Bischof zu Cammin (der achte) von 1249 bis 1287.

Er förderte die Einwanderung deutschsprachiger Siedler nach Pommern. Er gab im Kloster Buckow am Buckower See in der Nähe von Rügenwalde am 23.05.1266 der Ortschaft Cossalitz den Namen Cussalin, verlieh ihr das Stadtrecht, legte die rechtlichen und wirtschaftlichen Grundlagen fest und beauftragte die Kaufleute Marquard und Hartmann mit deren Ausführung. Er ist somit der Gründer der späteren Stadt Köslin.

Er stiftete 1278 der Stadt das Jungfernkloster, das bis 1526 existierte. Danach wurde an der Stelle das Fürstenschloß errichtet. Heute stehen dort zwischen der Mühlentorstraße, der Junkerstraße und der Schloßstraße das Verwaltungsgebäude des Stadtamtes und das Verlagshaus der Tageszeitung "Glos Koszalinska". 

Grade, Hans

Flugpionier, *17.05.1897 in Köslin, + 22.10.1946 in Borg(heide), Brandenburg.

„Vater des deutschen Motorfluges“.    

Er fliegt 1908 als erster Deutscher ein se lbst konstruiertes und gebautes Motorflugzeug .Er errichtet 1909 den ersten deutschen Flugplatz. Er erbaut 1910 die erste deutsche Flugzeugfabrik. Er richtet 1910 die erste deutsche Fliegerschule ein und bildet bis 1914 rund 350 Flieger aus. Er vollführt 1910 den ersten deutschen Überlandflug von Bork(heide) in Brandenburg nach Berlin-Johannisthal. Er entwirft und baut 1911 das erste deutsche Wasserflugzeug. Er befördert 1912 die erste deutsche Luftpost. Er konstruiert und baut 1919 den ersten deutschen Kleinwagen. Dieser „Kleine Grade, das Flugzeug mit gestutzten Flügeln“, wird 1921 bei der Berliner Automobil-Ausstellung als „Volkswagen“ beworben. 1924 ist dieser der meistgebaute deutsche Kleinwagen – später nur überholt vom Hanomag-„Kommißbrot" und dem Opel "Laubfrosch".

Er war der Onkel der Schauspielerin Brigitte Grothum.

Weitergehende Informationen zu Hans Grade finden Sie im Internet z.B. unter Hans Grade Gesellschaft und Hans Grade Museum.

                                 

Grieben, Hermann

Journalist, Dichter und Schriftsteller, * 08.02.1822 in Köslin, + 24.09.1890.

Schriftleiter der Kölnischen Zeitung.

Grieben, Dr. Ludwig

Chronist von Köslin, * 14.04.1791 in Lippehne, + 01.06.1866 in Köslin.

Oberprediger von St. Marien, Professor und Subrektor am Gymnasium; er gab 1865 „Die Geschichte der Stadt Köslin“ zum Stadtjubiläum heraus.

Haken, Christian Wilhelm

Pfarrer, * 12.07.1723 in Greifswald, + 20.12.1791 in Stolp.

1749 Pastor in Jamund / Kreis Köslin, später Primus und Ephorus (Leiter) der Schule in Stolp. Mitglied der Naturforschenden Gesellschaft zu Berlin. Verfasser der 1766 anläßlich des 500. Jahrestages der Stadtgründung erschienenen (zweiten) Stadtgeschichte von Köslin; Urgroßvater von Hermann Haken.

Haken, Hermann

Jurist und Politiker, * 03.05.1828 in Köslin, + 16.07.1916 in Stettin.

Bürgermeister von Kolberg und bedeutendster Oberbürgermeister von Stettin, seit 1878.

Er errichtete von 1902 bis 1907 das bedeutendste Stettiner Bauensemble, die 500 Meter lange Hakenterrasse.

Hendel-Schütz, Henriette

Mimische Künstlerin,  * 13.02.1772 als H. Schüler in Döbeln / Sachsen, + 04.03.1849 in Köslin, wo sie seit 1830 lebte.

Hendeß, Carl Gottlieb

Verleger, Gründer der „Kösliner Zeitung“

           * in Bublitz,           + 1831

Eigentümer einer Buch- und später Steindruckerei (Vorläufer des Offsetdrucks) in der Bergstraße sowie einer Buch-, Kunst- und Musikalienhandlung. Er gründete 1825 das Allgemeine Pommersche Voksblatt, aus dem die „Kösliner Zeitung“ entstand.

Henning, Johann

Evangelischer Theologe und Lehrer, * 26.07.1783 in Rügenwalde, + 05.06.18668 in Zürich.

Schüler und Freund Pestalozzis. Erster Direktor des 1816 gegründeten Kösliner Lehrerseminars. Reformator des hinterpommerschen Volksschulwesens. 1839 Ehrenbürger von Köslin.

Johann Friedrich – Herzog zu Stettin-Pommern

*27.08.1542,    09.02.1600.

Er begann 1568 als Bischof zu Cammin (1556 – 1574) mit dem Bau des Kösliner Schlosses, nachdem er das Nonnenkloster hat abreißen lassen.

Karkutsch, Ludwig

Großkaufmann, * 2.11.1813 in Köslin, + 26.09.1891 in Stettin.

Gründer des Kösliner Karkutsch-Stiftes für 66 Bewohneran der Neuklenzer Straße, am Ende der Grünstraße.

Kasimir IX. – Herzog zu Stettin-Pommern

* 22.03.1557 in Wolgast, + 10.05.1605 in Beuhausen bei Rügenwalde.

Er ließ als evangelischer Bischof zu Cammin von 1574 bis 1582 das Kösliner Schloß vollenden, das bis 1622 Residenz der pommerschen Herzöge war. Er hat auch das Schloß Kasimirsburg im Kreis Köslin errichten lassen.

Kasten, Hermann

* 8.6.1866 in Pegelow, Kreis Saatzig, + 1946 in Potsdam während eines Vertriebenentransports.

Rektor der Stein-Fichte-Schule in Köslin. Herausgeber des Buches „Pommerland“.

Kleist, Christian Ewald von

Offizier und Dichter, * 07.03.1715 in Zeblin / Kreis Köslin, + 24.08.1759 nach Verwundung als Major bei Kunersdorf in Frankfurt / Oder.

Er schrieb zahlreiche warmherzige vaterländische Oden, Lieder, Erzählungen und Fabeln. Hauptwerk „Der Frühling“. Vorbild für die Figur des Major Tellheim als Inbegriff aller Herzensgüte und Ritterlichkeit in Lessings „Minna von Barnhelm“.

Kleist, Ewald Jürgen von

Erfinder, Jurist, Naturwissenschaftler, * 10.06.1700 in Vietzow / Kreis Belgard, + 10.12.1748 als Hofgerichtspräsident in Köslin.

1722 Domdechant (Verwalter) in Cammin. 1746 Korrespondierendes Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften.

Bei einem seiner physikalischen Versuche gelang ihm 1745 die Erfindung der zunächst nach ihm benannten elektrischen Kondensatorflasche – der „Leidener oder Kleistschen Flasche“.

Lew

Die Familie stellte drei Kösliner Bürgermeister und einen Landrat sowie Ratsherren, Pfarrer, Kaufleute, Stifter und Soldaten; Mitstifter der Schweder-Stiftungen

Lorenz, Karl Adolf

Dirigent, Komponist und Musikpädagoge, * 13.08.1837 in Köslin, + 03.03.1923 in Stettin.

Er wurde 1866 Nachfolger von Carl Loewe als Städtischer Musikdirektor in Stettin. 1910 wurde er zum Ehrenbürger Köslins ernannt. Lebensgeschichte: „Einer und bald keiner“.

Lucas, Botho

Akkordeonist, Komponist und Chorleiter, * 02.06.1923 in Köslin, + 15.05.2012 in Köln.

Erste Auftritte mit seiner Band „5 Tango“ in Rogzow bei Köslin; ab 1940 kleinere Auftritte in Berlin; 1942 eingezogen zum Militärdienst, ab 1944 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft; 1949 zurück in Berlin gründete er das „Lucas-Trio“, 1958 das „Lucas-Quartett; ab 1959 in Köln lebend gründete er 1961 den „Botho-Lucas-Chor“; größter Erfolg mit diesem neben der „Berliner Polka“ das christliche Lied „Danke für diesen guten Morgen“; er betreute auch Kinderchöre, beispielsweise „Die Sonntagskinder“, u. a. mit Anke Engelke, sowie ferner die „Euro-Cats“; er wurde auch in den U.S.A. populär; wenige Jahre vor seinem Tod schenkte er seinen Landsleuten eine eigens für sie gestaltete und produzierte CD mit knappen Erzählungen und einfühlsamen Liedern aus der engeren Heimat:

Ich grüße dich, du bist immer noch für mich meine Stadt – Köslin.

Ich hab‘ heut Nacht geträumt und dann gedacht: Es war schön – Köslin.

Du kleine Stadt im Pommerland, geliebt, kaputt und abgebrannt.

Du warst für mich der Mittelpunkt der Welt…

und so hat mir die Erinnerung von dir ein schönes Märchen erzählt.

Seine Chorsängerin seit 1961 und spätere Lebenspartnerin bis zum Ende, Gretl Kästel: „Botho war seiner alten Heimat sehr, sehr tief verbunden – und so blieb es auch bis ganz zuletzt. Die Hälfte seiner Seele ist immer in Pommern geblieben.“

von Massow, Bertha

Oberin der Diakonissenanstalt Salem-Köslin.

Sie wurde am 6. April 1945 von sowjetischen Soldaten beim Beschützen der Nonnen  brutal getötet und auf dem Alten Friedhof an der Mühlentorstraße beigesetzt.

Micraelius, Johann

(Johannes Lütkeschwager), * 01.09.1597 in Köslin, + 03.12.1658 in Stettin.

Wissenschaftler, Theologe, Philosoph, Dichter.

1641 Rektor des Pädagogiums Stettin, Professor der Philosophie, Doktor der Theologie.

Er gab als Rektor der Universität Greifswald, der ältesten Alma mater Preußens, in seinem Werk „Sechs Bücher vom alten Pommerland“ dessen gesamte Geschichte bis zum Erlöschen des Fürstenhauses heraus.

Onnasch sen., Friedrich

* 08.10.1881 in Studsin, Kreis Kolmar, + 17.02.1945 in Berlinchen, Neu-Mark.

Superindent, im März 1945 von Russen erschossen, als er, nachdem er aus dem Haus getrieben worden war, zurückging, um etwas zu holen

Onnasch jun., Fritz

Pastor, am 04.03.1945 von Sowjetrussen erschossen. Er wurde in einem Garten nahe der Elisenstraße begraben.

Reusse, Dr. Adam

Militärlehrer des preußischen Kadettenkorps; am 1. April 1919 Gründer des gleichnamigen Pädagogiums unter der Bezeichnung „Höhere Privatschule mit Schülerheim“ im Hause Danziger Straße 24

Roon, Albrecht von

Reorganisator der preußischen Armee.

* 30.04.1803 in Pleushagen / Kreis Köslin, + 23.02.1879 als Generalfeldmarschall in Berlin.

1859 preußischer Kriegsminister. Seine Heeresreform befähigte Preußen, die Kriege 1866 und 1870 siegreich zu bestehen. Er setzte sich nachdrücklich für die Ernennung Otto von Bismarcks zum preußischen Minister ein, nachdem er dessen Fähigkeit in häufigem Umgang mit ihm in Zimmerhausen / Kreis Regenwalde erkannt hatte.

Schlieffen, Antonius von

Soldat und Diplomat, *11.07.1576 in Köslin, + 07.09.1650 als Schloßherr in Stettin.

Schlutius, Friedrich

Kaufmann und Unternehmer, * 20.04.1789 in Naugard, + 26.01.1855 in Köslin.

Er gründete 1833(4) die Kösliner Papierfabrik an der Fabrikstraße.

Schweder

Patrizierfamilie: Sämtliche Zweige in Köslin und Kolberg stammen von Heinrich Schweder (1568 – 1622) und Gertrud Ducherow (1574 - 1652) mit ihren neun Kindern ab. Die Familie stellte drei Kösliner Bürgermeister sowie mehrere Stadträte, Pfarrer und Kaufleute und gründete Bildungseinrichtungen, eine Bibliothek, eine Bildersammlung und 1735/36 das Altenstift / Armenhaus durch Michael Schweder in der Papenstraße 2.

Selchow, Bogislav von

Dr. phil., Schriftsteller, Dichter, Geschichtsforscher, * 04.07.1877 in Köslin, + 06.02.1943 in Berlin.

Fregattenkapitän im Ersten Weltkrieg, später Freikorpsführer.

Er schuf und begründete 1931 in seinem Werk „An der Schwelle des vierten Zeitalters“eine neue Geschichtseinteilung: Vorzeit, Allzeit (Mittelalter), Ichzeit und anbrechende Wirzeit.

 

Sein 1920 sehr bekanntes Gedicht „Du nennst mich klein“:

Du nennst mich klein in meinem Lieben, beschränkt vielleicht und eng begrenzt dazu,

weil ich in deutschem Denken steh‘n geblieben und nicht modern bin so wie du.

 

Ich sah die Länder mancher Zunge; doch näher als der König Psammetich *)

steht mir der letzte deutsche Schäferjunge, der denkt und fühlt und spricht wie ich.

 

Ich bin geboren, deutsch zu fühlen, bin ganz auf deutsches Denken eingestellt;

erst kommt mein Volk, dann all die andern vielen, erst meine Heimat, dann die Welt.

*) Psammetich: Name von fünf ägyptischen Pharaonen sowie des Tyrannen von Korinth

Ulrich von Pommern, Herzog zu Stettin-Pommern

* 1589 in Barth, + 1622 in Pribbernow,
Bischof von Cammin und nicht regierender Herzog von Pommern, residierte in Köslin, ließ die sakralen Gebäude renovieren und schenkte der Schloßkirche eine Orgel.

Virchow, Rudolf

Mediziner und Politiker, * 13.10.1821 in Schivelbein, + 05.09.1902 in Berlin.

Von 1835 bis 1839 Schüler des Kösliner Gymnasiums. Begründer der deutschen pathologischen Anatomie, Anthropologe, Vorgeschichtsforscher.

Waldemann, Carl

Kaufmann, * 23.09.1849 in Köslin, + 21.08.1898 in Köslin.

Er gründete 1878 die Firma C. Waldemann, eine der bedeutendsten Fischkonservenfabriken Europas (berühmte pommersche Spickbrüste).

Wendland, Johann David

Chronist, * 24.07.1691, +     1756 (?)

Verfasser der ersten Chronik Köslins, Titel: „Eine Sammlung unterschiedlicher, die Historie der Stadt Coeslin betreffende Sachen, welche Theils aus gedruckten Büchern, Theils und am meisten aus glaubwürdigen M. S. C. alten Uhrkunden, Inventarys, Registraturen, Acten und dergleichen geschriebenen Nachrichten zusammengetragen, auch mit einigen Beylagen bestärket seyen. Item mit Kupferstücken gezieret. von Johann David Wendland. L. L. C.“ Es folgt das zehn Kapitel enthaltene Inhaltsverzeichnis, dem etliche Handzeichnungen angehängt sind. Die Chronik war auf 76 eng beschriebenen Bogen handschriftlich verfaßt, vermutlich zwischen 1749 und 1758 (?), und befand sich in der Schwederschen Staatsbibliothek.