Patenschaft mit der Stadt Minden

Weil der Deutsche Osten im allgemeinen Gedächtnis erhalten sowie in seinen vielfältigen Ausprägungen und Eigenheiten sichtbar bleiben sollte,  entstand Anfang der 1950er Jahre der Gedanke der Übernahme von Patenschaften für die ostdeutschen Städte und Kreise durch Kommunen der jungen Bundesrepublik Deutschland. Dabei sind mit „ostdeutsch“ im Gegensatz zur heutigen Gepflogenheit nicht die Länder der ehemaligen DDR gemeint – denn diese war zu der Zeit noch Mitteldeutschland beziehungsweise die Sowjetisch besetzte Zone (SBZ) als Gegenpol zu den drei Westzonen der ehemaligen Alliierten – , sondern die Ostgebiete des Deutschen Reiches.

Der Deutsche Städtetag, der Deutsche Landkreistag, der Deutsche Gemeindetag und später der Deutsche Bundestag erkannten die Wichtigkeit, empfahlen die Gründung solcher Patenschaften und gaben am 15. Dezember 1953 gemeinsam mit dem Verband der Landsmannschaften dafür Richtlinien heraus. Die Grundlagen waren bereits in dem am 19. Mai 1953 erlassenen „Gesetz über die Angelegenheiten der Vertriebenen und Flüchtlinge“ – kurz    Bundesvertriebenengesetz, noch kürzer BVFG – festgesetzt worden.

Also bestätigte der Rat der Stadt Minden am 11. Juli 1953 einstimmig die Aufnahme der Patenschaft für die Stadt Köslin – als erste zwischen einer pommerschen und einer westdeutschen Stadt. Seitdem finden bis heute Patenschaftstreffen der Kösliner in Minden statt

Die Patenschaft war Vorbild für viele nachfolgende Patenschaften mit anderen pommerschen Heimatkreisen. Sie ist über Jahrzente hinweg bis heute lebendig und mit Leben erfüllt.

Äußere Zeichen und Höhepunkte der Patenschaft sind bis heute:

  • die aus Köslin stammende Diakonissenanstalt, die Ausgangspunkt für die Begründung der Patenschaft war, trägt weiterhin den Namen Salem- Köslin.Minden
  • der Köslin-Gedenkstein am Wesertor - gestiftet 1960 von der Stadt Minden
  • die Kösliner Straße in Minden
  • das "Haus Köslin" in der Königsstraße 60 - Heimstatt der ersten Kösliner Heimatstube seit 1963
  • das Kösliner Zimmer des Restaurants im Haus Köslin
  • die 700-Jahr-Feier der Stadt Köslin am 18./19. Juni 1966, während der Paul Dahlke, aus dem Kreis Köslin stammend, der Pommersche Kulturpreis 1966 verliehen wurde
  • Eintrag des damaligen Vorsitzenden des HKA Köslin in das Goldene Buch der Stadt Minden anläßlich des zwanzigjährigen Bestehens der Patenschaft
  • städtischer Schülerwettbewerb 1983, an dem sich jeweils eine Grund-, Haupt- und Realschule sowie das Ratsgymnasium mit insgesamt 262 Einzel- oder Gruppenarbeiten beteiligten
  • feierliche Würdigungen im Großen Rathaussaal anläßlich des vierzigjährigen Bestehens der Patenschaft

Patenschaftstreffen 2017

Das Foto erschien am 29.09.2017 im ''Mindener Tageblatt"

"Wieder einmal sehr wohlgefühlt"

Der Vorstand der Heimatkreisgruppe Köslin debattierte am Nachmittag des 22. September 2017 neben anderem noch über die Zukunft des Köslin-Apartments im Ernst-Moritz-Arndt-Haus in Travemünde, der Kösliner Heimatstube in unserer Patenstadt Minden, der Homepage koeslin.org und des Köslin-Kuriers, als die ersten Landsleute schon erwartungsvoll den Sitzungsraum des Hotels „Exquisit“ in Minden enterten. Also konnte es mit dem Programm des diesjährigen Treffens losgehen.

Das allgemeine Kennenlernen – die meisten der rund vierzig Angereisten kannten sich bereits – erfolgte beim Abendessen. Durch den Abend führte dann ansteckend gut gelaunt wie immer der Heimatkreisvorsitzende Konrad Neitzel. Den Höhepunkt bildete ein Ratespiel, bei dem es um Wissen über Köslin ging. Hier errangen ausgerechnet zwei in Schleswig-Holstein geborene Cousinen den zweiten Platz: eine Flasche Weißwein aus der Pfalz mit dem Namen „Pommern“. Am nächsten Morgen sprach Günter Lemke besinnlich die „Worte in den Tag“, bevor Konrad Neitzel und Mindens Erster Stellvertretender Bürgermeister Egon Stellbrink das Treffen offiziell eröffneten.

Der erste Halt während des Busausfluges am Nachmittag erfolgte am Köslin-Stein mit dem Gedenken der Kösliner Toten. Die Zeit für die nachfolgende Besichtigung der Kösliner Heimatstube, die aus vier Räumen besteht, erschien den Besuchern augenscheinlich als zu kurz, so groß war das Interesse an den Ausstellungsstücken.

Weiter ging die Fahrt nach Rehburg-Loccum nahe des Steinhuder Meeres zur geführten Besichtigung der Kirche des Zisterzienser-Klosters. Die Klostergebäude werden heute als Predigerseminar, aber auch für Tagungen und Musikveranstaltungen genutzt.  In einem Hotel gegenüber spendierte die Heimatkreisgruppe anschließend leckeren Kuchen mit dampfendem Kaffee.

Den Tag und das Treffen beendete ein weiteres unterhaltsames und  informatives Beisammensein im Hotel. Eine allzu sachliche Aussage, war es doch weitaus mehr. Denn nicht nur die Informationen über Köslin und die Patenschaft stellten das Besondere des Abends dar: Die gezeigten Bilder alter Straßenzüge und Plätze sowie des herrlichen  Ostseestrandes zusammen mit den Liedern von Botho Lucas über seine Heimatstadt Köslin ließen die Landsleute in ihren Gedanken wieder in der pommerschen Heimat weilen – und so manche Augen feucht werden.

Träumen von der Ostsee, von den Nächten in Großmöll‘n. Träumen von der Ostsee und von ihrem Spiel der Well‘n. Träumen von dem Zauber einer Sommernacht in Nest am Strand – ja, träumen von der Ostsee, wo ich das Glück einst fand".

 

60 Jahre lebendige Patenschaft zwischen Köslin und Minden

Offenen Herzens gedachten vom 21. bis zum 23. Juni 2013 in Minden Kösliner und Mindener Bürger der Gründung ihrer Patenschaft am 19. Juni 1953.

Die Kösliner tauschten außer den Neuigkeiten aus der Gegenwart wie stets auch die schönen Erinnerungen an ihre Jugendzeit, aber auch die schrecklichen Erlebnisse während der Vertreibung aus.

Traditionell erfolgte zu Beginn die Kranzniederlegung der Paten mit der Totenehrung in würdigem Rahmen am Köslin-Stein.

Die festliche Stunde zum Jubiläum leitete ein offener Empfang für Kösliner und Mindener ein, begleitet von den eigentümlichen Klängen einer keltischen Harfe.In ihren Festreden gedachte zunächst der Mindener Bürgermeister der Entwicklung der Patenschaft, während der Leiter des Mindener Museums als Historiker einen Bogen von der gemeinsamen preußischen Geschichte der Patenstädte bis zum Zweiten Weltkrieg mit seinen Folgen spannte.

Worte des Dankes fand der Vorsitzende des Heimatkreisausschusses Köslin für die Patenschaftsträger und alle Menschen, die unsere Patenschaft bis in die Gegenwart so erfolgreich unterstützt haben.

Ein gemeinsamer Besuch unserer Heimatstube im Stadtteil Dützen und eine Bootsfahrt auf der Weser rundeten dieses denkwürdige Treffen ab.

Im Juni 2014 veröffentlichte der Heimatkreis Köslin e.V.
als Sonderausgabe seiner Reihe KÖSLIN-KURIER
die rechts abgebildete Broschur

60 Jahre Patenschaft Köslin – Minden 1953 – 2013“.

 

Sie enthält informative Berichte über, offizielle Protokolle für
und persönliche Erinnerungen an die erste Patenschaft
zwischen einer pommerschen und einer westdeutschen Stadt –
eine der ersten deutschen Städtepatenschaften nach dem Krieg.

Interessenten können sie anfordern bei Friedrich-Wilhelm Steffen
über fws45@gmx.de.

50 Jahre Patenschaft

Das 50jährige Jubiläum der Patenschaft am 19. Juni 2003 wurde in festlichem Rahmen und mit Beteiligung von Gästen aus dem In- und Ausland im Rahmen der Köslin-Tage begangen. Hervorzuheben ist die Teilnahme einer fünfköpfigen Delegation aus dem heutigen Köslin (Koszalin) mit dem Vizepräsidenten (Stellv. Bürgermeister) Piotr Kroll.

Dem Totengedenken am Köslin-Stein, an dem sich auch die polnischen Gäste beteiligten, folgte die Festliche Stunde. Bürgermeister Reinhard  K o r t e  bekräftigte die Patenschaft auch für die Zukunft: "....., die Patenschaft auch zukünftig zu pflegen sowie finanzielle Unterstützung im Rahmen der knappen zur Verfügung stehenden Mittel zuzusagen, stellt niemand in Frage." - In dem Grußwort des heutigen Kösliner Vizebürgermeisters Pjotr  K r o l l  wurde deutlich, daß man auch polnischerseits beginnt, die Geschichte der Stadt Köslin als eine einheitliche, von Menschen geprägte Entwicklung zu sehen, die sich nicht nach Konfessionen und staatlichen Zugehörigkeiten aufspalten läßt, wenn er feststellte: "Heute wissen wir gut, daß man die Geschichte Köslins nicht in kleine Stücke teilen kann" und betonte offen, daß es "doch die früheren Bewohner Köslins waren, die mit viel Mühe die Stadt aufgebaut und sich über Jahrhunderte bemüht haben, ihre Bedeutung in der Region zu festigen. Reicher durch diese Erfahrungen möchten wir die weitere Entwicklung der Stadt mit Erhalt der historischen Bauten, des Erbes, das Generationen Ihrer Landsleute, Verwandten und Bekannten erarbeitet haben, fördern." - Für diese Offenheit und für die Würdigung der Leistungen von Generationen deutscher Bürger Köslins dankte in seiner Schlußansprache der Vorsitzende des Heimatkreises Köslin, Klaus  M o e r l e r.  Er dankte ebenso der Stadt Minden für die über Jahrzehnte erwiesene Patenschaftshilfe und insbesondere für die Zusage, daß diese Verpflichtung auch für die Zukunft gelte. Für diese eröffne sich in Zusammenarbeit mit den heutigen Bewohnern wie auch mit den in der Heimatstadt verbliebenen deutschen Landsleuten viele Möglichkeiten, sei es auf kulturellem oder sozialem Gebiet - vor allem aber im gegenseitigen menschlichen Verständnis.

Kösliner Heimatstube

Die „Kösliner Heimatstube“ ist eines der sichtbaren und bleibenden Ergebnisse der Patenschaft. Sie ist bestimmt, die über Flucht und Vertreibung hinweg geretteten Dokumente und gegenständlichen Erinnerungen sowie spätere Sammlungen aufzunehmen und zu bewahren. Ihr umfangreicher Bestand ist in folgende Sachgebiete aufgegliedert:

  1.  Patenschaft

  2.  Urkunden, Gemälde, Landkarten und Topographien

  3.  Turnen und Sport in Köslin

  4.  Hans Grade: ein Kösliner Flugzeug- und Kfz-Pionier

  5.  Diakonissenanstalt Salem-Köslin

  6.  Kadettenanstalt Köslin, Stabila, NPEA

  7.  Garnisonsstadt Köslin

  8.  Bücher, Schriften, Zeitungen, Bildbände, Wandfotos und sonstiges Heimatgut

  9.  Bild- und Tonarchiv.

Kontakt über:
Stadt Minden Bürgermeisterbüro Kleiner Domhof 17, 32423 Minden

Telefon: 0571/89-291

Fax: 0571/89-706.